Der folgende Text besteht aus Auszügen des "Positionspapiers der Systemischen
Gesellschaft", S. 6f. Systemische Gesellschaft,
Waldenserstraße 2-4, Aufgang D, 10551 Berlin,
www.systemische-gesellschaft.de
Vorbemerkung: Professionelle systemische Therapie hat nichts mit der Arbeit von Herrn Hellinger zu tun. Dazu gibt es eine eindeutige Erklärung der Systemischen Gesellschaft, die Sie hier (als PDF) finden.
1. Theoretische Grundlagen
Systemisch ausgerichtete Therapeuten, Berater und Supervisoren gehen von der
Autonomie der Rat- und Hilfesuchenden aus und betrachten diese als "Experten
und Expertinnen ihrer selbst".
Dabei wird das individuelle Erleben der
Einzelnen als subjektive Verarbeitung ihrer lebensgeschichtlichen, affektiven
und kognitiven Beziehungserfahrungen verstanden.
Systemische Praxis fokussiert
darauf, wie Mitglieder sozialer Systeme über Handlungen und Sprache Wirklichkeiten
erzeugen und diese über spezifische Muster und Interaktionsprozesse aufrechterhalten.
Intra- und interindividuelle Probleme werden auf der Ebene kommunikativer
Muster und Beziehungsstrukturen sozialer Systeme rekonstruiert (Problemsystem,
Kontextualisierung).
Interventionen, die auf diese Muster günstig einwirken, lösen
Veränderungen aus und tragen zur Problemlösung bei. Dabei kann es sich um die Anregung
und Aktualisierung vorhandener kognitiver und interaktioneller Strukturen,
um das Überwinden problematischer Muster oder um eine Entwicklungsförderung
handeln.
Im therapeutischen und beraterischen Bereich orientiert sich systemische
Praxis am Anliegen der Klienten (KundInnen) und verzichtet auf normative
Zielsetzungen und Pathologisierung.
Systemische Praxis verfolgt gemäß ihrem
theoretischen Ansatz weder das Ziel, die Probleme diagnostisch zu erkunden
und zu klassifizieren, noch sie kausal zu verändern. Vielmehr versucht sie,
im Dialog mit den Betroffenen Beschreibungen zu entwickeln, die die
Möglichkeiten aller Beteiligten, wahrzunehmen, zu denken und zu handeln,
erweitern. Sie sucht also nach Bedingungen, mit deren Hilfe die Klienten
ihre Ressourcen aktivieren können, um in Selbstorganisation zu ihren Zielen
gelangen zu können.
2. Methodisches Vorgehen
Zentrales Arbeitsmittel systemischer Praxis ist der öffnende Dialog. Dem
Klienten gegenüber bemüht man sich um eine Haltung des Respekts, der
Unvoreingenommenheit, des Interesses und der Wertschätzung bisheriger
Lebensstrategien.
Vor diesem Hintergrund von Kooperation zwischen Helfer
und Hilfesuchenden ist der jeweilige Einsatz von Arbeitsmitteln und
Handlungsstrategien nachgeordnet.
Zur systemischen Methodik lässt sich das
gesamte Spektrum des in den vergangenen vier Jahrzehnten in Familientherapie
und Systemischer Therapie entstandenen Instrumentariums zählen.
Dazu gehören
u. a. das zirkuläre und konstruktive Fragen, der selbstreflexive Dialog,
der Einsatz von "Verschreibungen", Abschlussinterventionen, Ritualen,
Metaphern sowie die "Neuschreibung" der eigenen Lebensgeschichte.
Systemische
Praxis kann sich zudem durchaus aus dem Inventar therapeutischer Handlungsweisen,
die in anderen Ansätzen erarbeitet wurden, bedienen.
3. Anwendungsbereiche
Systemisches Handeln findet Anwendung in der Arbeit mit Einzelnen, Paaren,
Familien, Gruppen und Institutionen sowohl im klinischen Bereich als auch
in anderen professionellen Bereichen wie Beratung, Supervision, Fort- und
Weiterbilung sowie Organisationsentwicklung und -beratung.
4. Ausbildung
Die Ausbildung in Systemischer Therapie, Beratung und Supervision umfasst den
Erwerb theoretischer und praktischer Kenntnisse, sowie die Reflexion des
eigenen biografischen Hintergrunds und des beruflichen Kontextes.
Sie versteht
sich selbst als interdisziplinär und versucht, auf die Arbeit der unterschiedlichen
Berufsgruppen der psychosozialen und medizinischen Versorgung in ihren jeweiligen
Arbeitsfeldern eine integrierende Perspektive zu entwickeln.